Early Quartets Vol. II

Aufbruch

Unendlich muss sich Wolfgang Amadeus im öden Salzburg gelangweilt haben! Wie gut, dass der ehrgeizige Vater immer wieder für Abwechslung sorgt: Auf ausgedehnten Konzertreisen wird der geniale Sohn an Höfen und in Salons präsentiert, und der nutzt die Abwesenheit vom fürstbischöflichen Hof, allerlei Eindrücke aufzusaugen und in eigene Musik zu setzen. So entstanden auf Reisen nach Italien und ins kaiserliche Wien auch jene dreizehn Streichquartette, von denen das  LeipzigerStreichquartett jetzt die zweite Folge eingespielt hat – Fortsetzung garantiert!

Eröffnung

Die pure Lust am Ausprobieren ist den Stücken anzuhören: Die beiden hier musizierten „Mailänder“ Quartette KV 156 und 157 nehmen Elemente der  italienischen Sinfonia auf, die beiden „Wiener“ KV 168 und 173 wiederum lassen erahnen, welche Offenbarung der Besuch im unangefochtenen Zentrum der Musik für den siebzehnjährigen Mozart gewesen sein muss. So enden beide Quartette mit der für das damalige Wien obligatorischen Fuge; aber während eine geradezu archaische Wendung die getragene Fuge des Quartetts in d-Moll beschließt, kommt die Fuge des F-Dur-Quartetts wie ein wilder Kehraus mit rasanten Sechszehntelläufen daher.

Ansage

Die Konsequenz, mit der der junge Mozart die Imitation als Gestaltungsmerkmal im F-Dur Quartetteinsetzt, ist erstaunlich; sogar das normalerweise eher schlichte Menuett macht hier keine Ausnahme. Im langsamen Satz schreibt Mozart die Benutzungdes Dämpfers in allen Stimmen vor – zusammen mit der imitatorischen Satztechnik und etlichen Überbindungen ergibt sich eine überaus eigentümliche Atmosphäre.

Dreisatz

Das Leipziger Streichquartett spürt dem Entdeckungsdrang des jugendlichen Komponisten mit hörbarer Freude nach. Historisch informiert und mit Bögen aus der  Entstehungszeit der Werke lassen sich die vier Musiker genussvoll auf das Spiel mit dem Überraschenden ein. Gänzlich unakademisch und fern jedweder historisierender Dogmatik sorgen sie für ein Hörvergnügen, das die dritte Folge mit Spannung erwarten lässt.

 

http://www.mdg.de/pdf/1976.pdf

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